Schnupperflug mit der Cessna 152

Schnupperflug mit der Cessna 152

Opa’s fliegende Aluminiumbüchse

Die Cessna 152 ist sozusagen der VW Käfer unter den Flugzeugen. Robust, praktisch und genügsam, eine Lebensdauer von 50, 60 Jahren ist kein Problem. Wir Simulatorflieger schauen meist mit Verachtung auf dieses Modell. Ist sie nicht noch kleiner und langsamer als die ohnehin schon beschauliche Cessna 172/182, die uns seit dem Microsoft FlightSimulator 2.0 eine treue Begleiterin ist?

Der Termin für den nächsten Schnupperflug ist an einem Dienstag Nachmittag um 14:00h. Der Wettergott ist auf unserer Seite und lässt nach wochenlangen Regenschauern die Sonne scheinen. Dummerweise komm ich erst um 13:40h in Lehrte los, donnere mit Vollgas über die freie Autobahn und bin exakt 17 Minuten später am Flugplatz in Hildesheim.

Fluglehrer Mr. B. lässt einige Minuten auf sich warten. Ich hätte mich gar nicht so zu beeilen brauchen – hier ist schließlich nicht die Lufthansa am Werke. Es gibt weder Flugpläne noch Abflugslots. Das Flugzeug wartet auf mich – als wäre ich ein Politiker, Rockstar oder sonstiger VIP!

Bei den Privatfliegern ticken die Uhren eben doch ein wenig anders als in der kommerziellen Fliegerei, aber damit kann ich gut leben. Am Platz ist es ruhig. Außer einigen Tragschraubern und einer Piper, die Touch-And-Go-Landungen übt, ist nicht viel zu sehen. Schließlich kommt der Fluglehrer.

Auf Entdeckungsreise im Hangar

Wir gehen gemeinsam hinüber zu dem riesigen Hangar. Dessen Tor ist noch verschlossen. Der Fluglehrer schließt auf, der Hangar liegt im Dunkeln. Schemenhaft erkenne ich die Umrisse eines halben Dutzend Flugzeuge. Mr. B. zeigt mir zwei Schalter an der Wand, auf die ich gleichzeitig drücken muss: Elektromotoren surren, und plötzlich bewegt sich das rund 30m breite Tor Richtung Decke, wie ein überdimensioniertes Garagentor. Jetzt werden aus den schemenhaften Umrissen richtige Flugzeuge. Der Fluglehrer muss für den Papierkram noch einmal ins Büro.

Ich stehe allein in der riesigen Halle.

Neugierig schleiche ich um die Maschinen. Wunderschön finde ich eine rot-weiße Mooney M20J mit dunkelroten Ledersitzen, zu der die beiden modernen Cirrus SR-20 einen wunderbaren Kontrast bilden. Ich schiele durch die Fenster und stelle fest, dass die Inneneinrichtung tatsächlich an ein modernes Luxusauto erinnert.

Eine moderne Diamond Katana wirkt mit ihrer großen Glaskuppel sehr futuristisch und erinnert ein bisschen an ein Segelflugzeug. Deutlich mehr Charme hat eine dunkelblaue Piper Arrow. Die ist zwar älter, hat aber dafür sehr gemütlich aussehende Ledersitze mit breiten Kopfstützen.

Cessna F152 im Hangar
Die Cessna F152 wartet in Hangar

Schließlich stehe ich vor der Cessna 152. Genau genommen handelt es sich um eine Cessna F152 T, eine sogenannte „Reims-Cessna“, die 1980 in Frankreich produziert wurde. Das „T“ im Namen steht für die Trainerversion.

Im Vergleich zu der Remos wirkt sie unerwartet groß. Konnte ich mit meinen 1,81m problemlos über die Remos hinweg gucken, ist dies bei der Cessna ein Ding der Unmöglichkeit. Ihre große Schwester, die Cessna 172 Skyhawk, die etwas weiter hinten steht, wirkt geradezu gigantisch.

Motorisiert ist die Alpha India mit einem frisch überholten luftgekühlten 4-Zylinder Boxermotor der Firma Lycoming. Es handelt sich um das Modell O-235 mit knapp 4l Hubraum, der rund 110 PS leistet.

Moment mal: Wieso heißt das Ding “Alpha India”? Das hat folgende Bewandnis: Wie ein Auto hat jedes Flugzeug ein Kennzeichen, das nach bestimmten Regeln aufgebaut ist. Bei D-ENAI steht das D für Deutschland, E für Echo-Klasse, also ein einmotoriges Flugzeug. NAI ist die individuelle Kennung, und die wird im Sprechfunk üblicherweise als “Delta Alpha India” oder auch nur “Alpha India” abgekürzt.

Zurück zum Flugzeug. Mit einer Spannweite von 10,2m und einer Länge von 7,30m passt die Cessna nicht wirklich in eine deutsche Normgarage. Ist es bei Ultraleichtflugzeugen häufig so, dass man die Flügel anklappen und das Fluggerät in einem Anhänger transportieren kann, so braucht eine Cessna zwangsläufig ihren Platz in einem gemütlichen Hangar.

Die Aluminiumkarosserie wirkt durch ihre zahlreichen Nieten wie von Hand zusammengetackert. Vermutlich ist sie das auch. Einen besonders dynamischen Eindruck macht sie nicht gerade, dafür aber scheint sie sehr solide zu sein. Leer wiegt sie 490kg, das Abfluggewicht liegt bei 757kg – eine ganze Ecke schwerer als das Ultraleichtgewicht der Remos.

Hinein ins Cockpit!

Ich öffne die Tür und klettere mühsam hinein. Das linke Bein muss ich mit den Händen nachziehen. Bin ich wirklich schon so alt? Kann doch nicht sein! Egal, ich bin drinnen. Ich schaue mich um und entdecke erst jetzt eine am Fahrwerk befestigte kleine Trittstufe, die mir den Einstieg deutlich erleichtert hätte. Seufzend betrachte ich die Flecken auf meiner hellen Hose.

Macht nix.

Cessna 152 Cockpit
Das nicht mehr so wirklich neuwertige Cockpit der Alpha India

Auf den ersten Blick wirkt das Interieur recht abgewohnt. Die Kanzel ist deutlich schmaler als die der Remos. Wie sollen hier bloß zwei Piloten hineinpassen? Das wird kuschelig. Die kleinen Sitze sind bequem gepolstert und in der Länge verstellbar. Hinter mir gibt es eine großzügige Gepäckablage, in der Gerüchten zufolge sogar eine Sitzbank für Kinder Platz finden soll. Sozusagen als Entschädigung für die schmale Kabine ist die Kopffreiheit gigantisch – der ewige Hutträger Konrad Adenauer hätte seine helle Freude gehabt!

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