ForeFlight Review – Der richtige Ersatz für Jeppesen Mobile Flite Deck?

Lange Jahre war ich begeisterter Nutzer von Jeppesen Flite Deck Mobile VFR – bis ich die Mitteilung bekam, dass die App zum 31.12.2019 eingestellt wird.

Hintergrund: Flugzeughersteller Boeing aus Seattle hat zwischenzeitlich die beiden Firmen Jeppesen und ForeFlight aufgekauft und festgestellt, dass eine einzelne Flug-Navigations-App im Portfolio völlig ausreichen sollte. Beide Apps wurden verglichen und die Entscheidung getroffen, dass eine davon gehen musste: in diesem Fall Mobile Flite Deck, was daran liegt, dass der Funktionsumfang von ForeFlight deutlich größer ist.

Nun ist die Frage: 

Ist das in Europa relativ neue ForeFlight ein guter Ersatz für Mobile Flite Deck VFR?

ForeFlight hat eine völlig andere Oberfläche als Jeppesen Mobile Flite Deck VFR

Bei der ersten spontanen Betrachtung fällt der Umstieg schwer. ForeFlight sieht komplett anders aus, viel dunkler, die Icons sind anders und die Anordnung ungewohnt und überhaupt sieht das Ding im direkten Vergleich aus wie ein Nerd-Linux neben einer modernen macOS Oberfläche. Viele Piloten sind Gewohnheitstiere und mögen sich nur ungern auf eine neue Umgebung einstellen, entsprechend negativ sind die Reaktionen in den Foren.

Zum Glück gibt es Mitarbeiter von ForeFlight, die sich um Rückmeldungen von Piloten kümmert, und es gibt nicht nur salbungsvolle Worte, sondern tatsächlich auch ein Entwicklungsteam, das sich im Rahmen des Möglichen der Kundenwünsche annimmt und die App weiterentwickelt. Aktuell gibt es fast jeden Monat eine neue Version von ForeFlight, während das letzte Update von Mobile Flite Deck VFR ewig zurückliegt.

Dieses aktive Interesse am Kunden war für mich ein wesentlicher Grund, ForeFlight nicht sofort beiseite zu legen, sondern dem Programm eine zweite Chance zu geben und es mir einmal genau anzugucken. 

Vorteile von ForeFlight

Es gibt eine ganze Reihe wirklich sinnvoller Features, die es bei Jeppesen Mobile Flite Deck VFR weder für Geld noch gute Worte erhältlich waren.

iPhone Version

ForeFlight fürs iPhone

Es gibt Foreflight nicht nur fürs iPad, sondern auch fürs iPhone. Wer ein Flugzeug mit wenig Platz wie beispielsweise eine Diamond Katana bewegt, wird dafür sehr dankbar sein.

X-Plane Unterstützung

So manchem altgedienten Piloten mag es unbedeutend erscheinen: ForeFlight lässt sich auf einfachste Weise mit X-Plane 11 verbinden.

Warum ist das wichtig? Ganz einfach: um sich am heimischen Schreibtisch mit allen Aspekten der App vertraut zu machen, bevor man sich ins reale Flugzeug setzt. Das ist ein echter Gewinn für die Sicherheit!

Flugzeugprofile

ForeFlight biete eine Datenbank existierender Flugzeugprofile

Bei Foreflight lassen sich Flugzeugprofile hinterlegen. Das ging bei MFD zwar auch, aber bei ForeFlight gibt es eine Datenbank mit detaillierten Profilen für die verschiedensten Muster, während man bei MFD alle Daten einzeln von Hand eingeben musste. 

Das ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll und dient der Sicherheit:

Dank komplexer Daten wie der Glide Performance kann der Gleitweg in Abhängigkeit von Flughöhe und Gelände während des Fluges auf der Karte dargestellt werden. Damit siehst Du genau, wie weit Dein Flugzeug im Fall eines Motorausfalls noch segeln kann! 

ForeFlight: die ungleichmäßige grüne Linie zeigt an, wie weit man im Gleitflug kommt.

Runway Profiles berechnen die benötigte Start- und Landebahn in Abhängigkeit vom aktuellen Wetter – ich sage nur Dichtehöhe im Hochsommer! Hierfür sollte man allerdings schon die exakten Daten aus dem Wägebericht deines Flugzeugs in die App einpflegen, um möglichst genaue Ergebnisse zu erhalten. 

ForeFlight: Es gibt erweiterbare Checklisten für zahlreiche Flugzeugemodelle, hier die DA-20

Es geht noch besser: auch die Checklisten für Dein Flugzeug lassen sich hinterlegen. Du wählst Deinen Flugzeug-Typen aus einer Liste aus und bekommst eine Reihe von Checklisten, die Du für Dein persönliches Flugzeug anpassen kannst.

Darunter sind auch Notfall-Checklisten, die zwar immer an Bord sein müssen, sich dummerweise aber aus Platzgründen meist unerreichbar im Gepäckraum befinden.

Leider sind sich die Checklisten etwas umständlich über das Mehr Menü aufzurufen, hier wünsche ich mir einen direkten Zugriff. 

Flugplätze

ForeFlight bietet eine umfangreiche Flughafen-Datenbank mit vielen Detailinformationen

Praktisch alles, was Du über einen Flugplatz wissen möchtest, ist in FF hinterlegt und sorgsam aufbereitet. Deine Lieblingsflughäfen kannst Du in einer Liste speichern, bei mir ist das z.B. EDDV Hannover. Ich sehe dort sofort die Wetterdaten in Piloten-lesbarer Form, und bekomme nicht nur METAR und TAF angezeigt, sondern auch Daten über die Winde in verschiedenen Höhen. 

Für die einzelnen Start- und Landebahnen werden Windrichtung und Seitenwindkomponente angezeigt. Natürlich sind Daten und Frequenzen abrufbar, außerdem lassen sich AIP Daten, AERODOME Charts Departure, Arrival und Approach Prozeduren herunterladen. Teilweise werden auch die Telefonnummern von FBOs samt Spritpreisen angegezeit.

ForeFlight: Der Zielflughafen als Google Maps 3D Ansicht

Bei der teuersten Variante werden die Flughäfen über Google Maps in 3D dargestellt, damit man eine Idee hat, wie das Ziel aus der Luft ausschaut – meines Erachtens nach ist das aber mehr eine Spielerei. 

Wünschenswert wären noch Pireps von eddh.de.

Kartendarstellung

Die Kartendarstellung ist wie bei jedem neuen Programm gewöhnungsbedürftig und kommt an die übersichtliche Darstellung in MFD nicht heran. Dafür gibt eine Menge Ebenen, die man über die Karte legen kann, z.B. fürs Wetter. So gibt es Bilder vom Regenradar, Satellitenbilder zur Darstellung von Wolken, Vereisungsgebiete, Turbolenzen und inzwischen auch GAFOR Informationen. (Leider bietet GAFOR nur eine punktuelle Darstellung, die Ausdehnung der Gebiete ist nicht ersichtlich).

Man kann natürlich wie gewohnt mit zwei Fingern zoomen und bekommt unterschiedlichste Details angezeigt, von der globalen Weltkarte mit den großen Transatlantik-Routen bis hin zu den Platzrunden und Rollwegen eines Feldflughafens. Natürlich unterscheiden sich die angezeigten Daten je nach Zoomlevel ein wenig von denen in Mobile Flite Deck, manchmal muss man etwas stärker zoomen, damit die Platzrundenhöhe angezeigt wird.

In folgender Galerie siehst Du die einzelnen Zoomlevel von der Weltkugel bis zu den Rollwegen auf dem Heimatflugplatz:

Wer möchte, kann sich eine „Europe VFR“ Karte anzeigen lassen (nicht für Deutschland), darf sich aber nicht wundern, dass nur eine Bitmap angezeigt wird – wie bei einer guten alten ICAO Karte. Am besten ausschalten, diese Karte braucht kein Mensch. Interessanter sind die IFR Karten, denen aber ebenfalls ein Pixelmatrix zugrunde liegt. Uns VFR Fliegern kann es eigentlich egal sein. 

Ein großes Problem von ForeFlight ist, dass die Darstellung sehr überladen ist. Es gibt zu viele Knöpfe und Icons, die sich dem Nutzer nicht sofort erschließen.

Bei den vielen Kartenansichten vermisse ich eine Hilfefunktion mit einer genauen Beschreibung der jeweiligen Darstellung.

Zumindest lassen sich die Anzeigen von Luftraumbeschränkungen in großer Höhe ausblenden.

Im Vergleich zu Mobile Flite Deck vermisse ich die Darstellung und Benamsung einzelner Dörfer. Einzelne Straßen lassen sich zwar per Layer dazuschalten, in MFD war dies mittels Vektordarstellung aber doch schöner und deutlich performanter gelöst. Autobahnen und größere Landstraßen werden aber auch ohne Layer angezeigt und sollten vollkommen ausreichen. 

Segelflugplätze werden im Moment leider nicht angezeigt, werden aber sicher noch kommen. 

Wetterkarten

ForeFlight: Es gibt eine riesige Auswahl an Wetterdaten

ForeFlight bietet eine gute Auswahl an Wetterinformationen, die direkt in der Karte eingeblendet werden:

  • Radarbilder zeigt aktuelle Regengebiete
  • Satellite zeigt Bewölkung
  • Interessant für IFR-Flieger: Es können Turbulenzen und Vereisungsgebiete angezeigt werden
  • GAFOR Lufträume werden dargestellt
  • Winde, Spread, Temperatur, Sichten und Wolkenuntergenzen werden in der Karte als Zahlen dargestellt.

Außerdem gibt es eine Wetterzentrale mit einer Reihe von Wetterkarten mit barometrischen Daten, ähnlich denen des DWD, wenn auch deutlich weniger ausführlich. Hier wäre ein aussagekräftiger Wetterbericht ganz schön – gerne auch in Textform, bzw. eine Wetterzentrale, die alle Informationen zum Wetter bündelt. Im Fluge ist der Schalter eine Verschwendung von Bildschirmplatz, hier wäre ein schneller Zugriff auf die Checklisten sinnvoller. 

Flugplanung

Die Flugplanung ist sehr einfach: gibt die Kürzel von Start- und Ziel ein, fertig. Alternativ lassen sich auch einzelne Punkte auf der Karte auswählen und in den Flugplan einfügen. 

Ein Flugplan von Hildesheim nach Friedrichshafen (mit IFR Anflug)

IFR-Piloten können Prozeduren für Abflug- und Anflug auswählen, die entsprechende Anflugkarte wird in die Kartenansicht integriert.

ForeFlight: Wahl eines IFR Anflugs

Es gibt eine Altitude-Funktion, die dir unter Berücksichtigung von Winddaten bei der Auswahl der besten Flughöhe hilft. IFR-Piloten können zusätzlich Procedures auswählen – oder sich automatisch eine IFR-Route berechnen lassen, die von Euro-Control mit großer Wahrscheinlichkeit akzeptiert wird (und mit den auf der IFR-Karte angezeigten Wegen nur wenig zu tun hat).

Vertikales Profil der Reiseroute

Eine Profilanzeige zeigt alle Hindernisse, Sperrgebiete und Kontrollzonen auf dem Weg. Du kannst auf die jeweiligen Gebiete klicken, um weitere Informationen zu erhalten (ab Basic Plus). 

In der iPhone Variante ist insbesondere die Flugplanung leider nicht besonders ausgereift und hat den eine oder anderen Bug. So gibt es im Eingabefeld für die Route ein kleines Kreuz, welches die Route ungefragt löscht. Dummerweise sitzt dieses Kreuz direkt über dem Knopf fürs Zentrieren der Karte – damit kann es leicht passieren, dass im wackligen Flugzeug beim Versuch, die Karte zu zentrieren, die Route gelöscht wird! Ein Fehler, der die Nutzung der iPhone App im Flugzeug derzeit nicht ratsam erscheinen lässt. Schade, aber vielleicht gibt es demnächst ein Update.

ForeFlight Im Flug

ForeFlight holt sich alle Daten zunächst auf dem Netz. Bevor es ins Flugzeug geht, ist es ratsam, sich die für den Flug benötigten Daten aufs iPad zu laden. Das geht mit einem Klick, und schon wird ein Paket erstellt, das wirklich alle Information enthält.

Während du in MFD Flüge manuell startest und beendest, wird ein Flug in ForeFlight automatisch aktiviert.

ForeFlight: Virtuelle Darstellung der Umgebung mit Hinweis, dass das ATIS von LSZS erreichbar ist

Während des Flugs lässt sich in den höheren Varianten von ForeFlight eine Art Syntethic Vision Display einschalten. Damit siehst du im Display, wie die Landschaft sich vor Deinem Flugzeug ausbreitet, genau wie im Garmin 1000 Display in einer modernen Cirrus G6 – nur zu einem  Bruchteil des Preises. Je nach Höhe wird das Gelände farbig hinterlegt – grün ist kein Problem, bei gelb wird’s mit der Höhe fraglich und bei rot passt es definitiv nicht mehr!  

Alle für den Flug relevanten Daten wie Geschwindigkeit werden an unteren Rand des Displays angezeigt, die Anzeige lässt sich sogar individuell anpassen. Sehr praktisch finde ich die ständige Darstellung der AGL, also der Höhe über Grund. 

Hindernisse werden nicht wie in MFD ständig dargestellt, sondern nur dann, wenn sie in der Nähe sind. Das hilft dabei, ein wenig Übersicht in die Fülle von Informationen zu bringen.

Sobald man sich dem Zielflughafen nähert, kommt ein automatischer Hinweis auf die dazugehörige Funkfrequenz.

ForeFlight: Flughafenkarte mit Aufzeichnung der Rollfreigabe

Am nach der Landung wird automatisch eine Rollkarte des Zielflughafens aufgerufen. Anfangs habe ich mich sehr darüber gewundert, warum nicht einfach in die normale Kartendarstellung hineingezoomt wird.

Es gibt aber einen guten Grund für die Darstellung der Papierkarte: man kann darin malen und somit einfach ein vom Tower vorgegebene Rollfreigabe visuell notieren!

Selbstverständlich hat ForeFlight auch eine Logbook-Funktion und ein Replay, mit dem sich Flüge hinterher genau nachvollziehen und auf Wunsch im dreidimensionalen Google Space nachfliegen lassen.  Auch Bilder, die unterwegs gemacht werden, lassen sich dem Flug zuordnen. 

Was kostet ForeFlight?

Jeppesen Mobile Flite Deck VFR schlug mit knapp 300€ im Jahr zu Buche. Man könnte annehmen, dass die deutlich größere Funktionalität von ForeFlight sich in ebenso hohen Preise niederschlägt, aber dem ist nicht so.

Es gibt drei verschiedenen Level: 

Die Basic Plus Edition kostet mit einer Region (z.B. Europa) rund 100€ Jahr. Das ist ideal für Gelegenheits-Piloten und beinhaltet alle VFR & IFR Karten, Taxi-Charts, Wetter, Airport Information, Weight & Balance, Checklisten, ein Logbook und vieles mehr. 

Als nächstes kommt das Pro Plus Level, das alle Funktionen der Basic Plus Edition beinhaltet Geo-Referenced Approaches & Taxi Charts, was bedeutet, dass die Papier-Karten vom Datenlieferanten Jeppesen in die Karte eingeblendet werden können und dabei die Position des Flugzeugs dargestellt wird. Außerdem gibt es die schöne Synthetic Vision Darstellung, eine dynamische Darstellung von Hindernissen, die im Wege sind und die Profilanzeige, die Dir bei der Flugplanung zeigt, welche Berge, Kontrollzonen und sonstige Hindernisse bei Deiner Route im Weg sind. Die Basic Plus kostet rund 200€ im Jahr. 

Das höchste Level Performance Plus gibt Zugriff auf detaillierte Performance Profile, die leider Voraussetzung für die Anzeige der Glide Percormance sind. Dazu gibt es die Erstellung optimierter IFR Routen, eine bessere Berechnung von Performance und Benzinverbrauch, den 3D-View der Flughäfen sowie die Berechnung von Start- und Landstrecke. Diese Edition kostet rund 300€ im Jahr – als in etwa das, was die viel einfacherer Jeppesen App gekostet hat.

ForeFlight lässt sich auf 3 Mobilgeräten installieren, z.B. einem iPad und zwei iPhones. 

Fazit

ForeFlight ist nicht Jeppesen Mobile Flite Deck VFR. Wer diese Erkenntnis überwunden hat und sich ein wenig mit ForeFlight beschäftigt, wird schnell feststellen, dass er für sehr viel weniger Geld ein deutlich umfangreicheres Produkt in den Händen hält, denn ForeFlight umfasst nicht nur die VFR-Fliegerei, sondern auch den gesamten IFR-Bereich.

Ein wichtiger Faktur ist das enthusiastische Team, das ForeFlight entwickelt und unterstützt. Mobile Flite Deck VFR erschien mir immer ein wenig wie ein Hobby-Produkt, welches nur dann weiterentwickelt wird, wenn sonst gerade nichts zu tun ist. ForeFlight dagegen ist eine Herzensangelegenheit mit dem Anspruch, auf die Piloten zuzugehen und eine richtig gute App zu entwickeln.

ForeFlight Mobile ist Flite Deck VFR in vielen Bereichen überlegen und lässt kaum einen Wunsch offen – es ist deutlich mehr als nur ein Ersatz, es ist ein ordentliches Upgrade!

Von daher empfehle ich all den Piloten, die der Jeppesen-Software nachtrauen, sich einmal mit ForeFlight zu beschäftigten – es lohnt sich! :-)

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